Was ist Strategie? Was macht ein Stratege?

In seiner Studie beschrieb Prof. Dr. Markus Menz von der Universität Genf/ Strategisches Management sinngemäß so:

...ein Stratege erkennt und analysiert künftige Entwicklungen, oft Jahre und Jahrzehnte im Voraus...

...ein Stratege skizziert Pläne, entwickelt Entscheidungsgrundlagen und definiert Handlungsmaximen...

...ein Stratege muss zumindest in einem der folgenden Bereiche richtig fit sein:
- Unternehmensführung
- Management
- Resourcen - Planung
- Marketing und Sales
- Internationale Entwicklungen

Von den FORTUNE 500 Unternehmen haben heute - 2017 - mehr als 50% einen CHIEF STRATEGIC OFFICER (CFO) – einen Chef-Strategen!

Vor 15 Jahren lag diese Quote bei nicht einmal 10%.

Obwohl es im alten Griechenland für die Staatsführung bereits vor 2500 Jahren einen Chef-Strategen gab, und obwohl die Römer für ihre herausragenden Strategen berühmt waren, ging die Lehre von der Strategie in Europa fast gänzlich verloren. Nur im militärischen Bereich "überlebten Fragmente".

Ganz im Gegensatz zu China und vielen asiatischen Regionen:
Strategie, strategisches Denken, wissenschaftliche Behandlung und Lehre des Themas Strategie waren immer Eckpfeiler des Denkens und Handelns in Asien, vor allem in China.

Der Begriff Strategie stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt:
"General" oder "Die Kunst eine Armee anzuleiten" (Der Vorname von Roth – Erwin – bedeutet „Heeresfreund“. Zufall oder Bestimmung?)

Im antiken Griechenland war die Kunst der Strategie, waren die Strategen hoch angesehen. Jede Regierung hatte ihren Chef-Strategen. Die Regierung war verpflichtet die vorgeschlagene Strategie praktisch umzusetzen. Tat der Regierungschef das nicht und scheiterte wurde er mit dem Tod bestraft. (Unsere Parlamente wäre stark ausgedünnt, gäbe es eine solche Gesetzgebung.)

Auch bei den Römern wurde Strategie gelehrt und Strategen berieten die Herrschenden über Jahrhunderte. Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging auch die Wissenschaft und Lehre der Strategie weitgehend unter. In der Folge meinten die Päpste in Rom keine Strategen zu brauchen, denn als vermeintliche Stellvertreter Christi auf Erden brauchten Päpste keinen strategischen Rat. Erst seit den 1950er Jahren wurde Strategie in der Zivilgesellschaft "des Westens" wieder ein Thema. 1974 gab es jedoch noch immer keine westliche Universität die einen Lehrstuhl für Strategie unterhielt. (Nur in militärischen Bildungseinrichtungen fand Strategie-Unterricht statt.)

Der Begriff Strategie kann als Plan oder Methode zur Lösung eines oder vieler anstehender Probleme und/oder Wahrnehmung von sich in (naher oder ferner) Zukunft bietenden Chance(n), bezeichnet werden.

Der Stratege entwickelt also Pläne oder Methoden zur Lösung anstehender Fragen.

Ein Stratege studiert und analysiert die teilweise sehr komplexen Sachverhalte. Er lernt diese Sachverhalte verstehen und entwickelt für Institutionen, Regierungen, Konzerne, Armeen und Unternehmen möglichst verständliche, nachvollziehbare Handlungsmaximen.

Dazu kommentierte Steiner 1979, Seite 4 ff:

"... es gibt zwei Arten von Management:

Dasjenige das an der Spitze einer organisierten Struktur erfolgt ist
STRATEGISCHES MANAGEMENT

Alles andere ist schlicht operationales Management ... ."

Erwin Roth schrieb 1984 in seinem Essay "Strategie und die Abwesenheit derselben" auf Seite 3ff:

Ihre Strategie ist falsch - sie haben keine!

Jede Organisation hat einen Organisationsleiter,... CEO

Jede Organisation hat einen Chefbuchhalter, Controller, Finanzchef ... CFO

Jede Organisation hat einen Technischen Leiter, Produktionsleiter ... COO

Doch nur 1 von 10 Organisationen in europäischen Industriestaaten hat einen Leiter für Strategie, Strategen, Chef-Strategen, CHIEF STRATEGY OFFICER ... CSO (wenn überhaupt!)

Wenn eine Organisation, Institution, Regierung, Firma keinen Strategen hat, hat sie vielleicht Glück und der "Chef" ist zufällig auch ein guter Stratege. Sonst hat eine Organisation KEINE STRATEGIE.
Woher soll sie auch kommen?

Ein Stratege ist ein Experte wie ein guter Architekt für Bauvorhaben einer ist, wie ein guter Jurist wenn es um Rechtsangelegenheiten geht einer ist, wie ein guter Finanzchef, wenn es um Finanzen geht, einer ist.

Der Stratege ist ein Experte um komplexe Sachverhalte zu "durchschauen", er ahnt und erkennt was die Zukunft für die jeweilige Organisation bereithält, er versteht die Wechselwirkungen zwischen Organisation und deren Umfeld, er entwickelt nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen für das TOP MANAGEMENT und den CEO.

Ein Stratege stellt zwei zentrale Fragen und findet für den jeweiligen CEO/Geschäftsführer die entsprechenden Antworten:

In welchem Bereich ist die Organisation, Institution, Regierung oder Firma heute tätig?

In welchem Bereich/ in welchen Bereichen soll die Organisation, Institution, Regierung oder Firma in Zukunft tätig sein um nachhaltig erfolgreich zu sein?

Diese Fragen waren und sind für Weltmächte wie die USA oder China genauso zu stellen und zu beantworten wie für die Regierung von Malta. Für Weltkonzerne wie General Electric (GE) genauso wie für ein Kleinst-Unternehmen mit 3 Personen.

Diese beiden Fragen zutreffend zu beantworten ist Strategie. Und ein guter, erfahrener Stratege kann das.

Oft gilt der Merksatz: Ihr Strategie ist falsch - sie haben keine! (weil sie keinen Strategen haben)

Strategie und strategische Entscheidungen können nur auf oberster Führungsebene getroffen werden, denn sie betreffen die gesamte Organisation, egal wie klein oder groß diese ist. …“

(Auszüge/Zitate Ende: Essay "Strategie und die Abwesenheit derselben". Erwin Roth, Stratege, 1984)

Nachbemerkung: Deng Xiaoping hat ab 1978 den Beweis angetreten und mit richtiger Strategie für China und seine Regierungsform dieses Land "vom armen Mann im Osten" zu einer wirtschaftlichen Supermacht gemacht. In weniger als 3 Jahrzehnten.